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Mutige Sanierung mit Öko-Dämmung

Alle Bilder: © Trimmel Wall Architekten

Vor vier Jahren nach einer Explosion schwer in Mitleidenschaft gezogen, glänzt das Gründerzeit-Zinshaus Mariahilfer Straße 182 heute im frischen Glanz. Mit einer Front- und Innenhoffassade aus Hanf. Für die gelungene Rekonstruktion mit Öko-Fassadendämmung gab es jetzt den Wiener Stadterneuerungspreis.

Im April 2014 erschütterte eine absichtlich herbeigeführte Gasexplosion die Wiener Innenstadt. Es gab einen Toten – den Verursacher - und 13 Verletzte. Das Gebäude in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus, im dem die Katastrophe geschah, war kaum mehr als solches zu erkennen, das Dach und die zwei oberen Stockwerke waren fast völlig eingestürzt und die Statik schwer beeinträchtigt. Experten waren sich einig: ein Abriss wäre die günstiger Lösung für den Eigentümer. Dieser beharrte aber auf eine Wiederherstellung.

Die Sanierung und Revitalisierung nach Plänen der Trimmel Wall Architekten wurde vom Wohnfonds Wien koordiniert und von der Stadt Wien gefördert. In 20 Monaten Bauzeit entstanden unter der Leitung von Leyrer + Graf Baugesellschaft m.b.H. auf einer Wohnnutzfläche von 2.360 Quadratmeter 20 Altbau- und neun im zeitgemäßen Standard ausgeführte Dachgeschoßwohnungen mit modernem Grundriss. Besonderen Wert wurde auf einen hohen energietechnischen Standard gelegt, der Dachgeschoßausbau erfüllt den Passivhausstandard. Auf der innenhofseitigen Dachfläche sind die Module einer Solaranlage aufgestellt.

Ökodämmung für die Neubaufassade

„Die Wiederherstellung und Rekonstruktion der stadtbildprägenden Gründerzeitfassaden war eine Herausforderung für alle Beteiligten,“ berichtet Architekt Günther Trimmel.

Speziell hier wollte man neue umweltbewusste Wege gehen und entschied sich beim neuen Teil der Fassade für die Dämmstoff-Alternative Hanf von Capatect. „Unser Anspruch ist es, möglichst ökologische Baustoffe auch an der Fassade einzusetzen, daher haben wir Hanf an der Neubaufassade Mariahilferstraße verwendet“, erklärt Architekt Günter Trimmel die Motivation für die Entscheidung Hanf. Aber auch im gesamten Innenhof kam der Naturdämmstoff zum Einsatz. „Als Architekten würden wir die Hanfdämmung grundsätzlich wieder einsetzen“.  Insgesamt wurden 800 m² Hanfdämmplatten in der Stärke von 20 Zentimeter verarbeitet.

Das Dämm-System vom WDVS-Spezialisten Capatect aus Perg (Synthesa-Gruppe) sorgt für eine massive Einsparung der Gebäude-Energie und zeichnet sich durch beste Schallschutzwerte aus. Das ist speziell für Gebäude mit viel Umgebungslärm von großem Vorteil.

Neben den klima- und umweltschonenden Eigenschaften der Naturdämmung (keine Pestizide, keine Düngung beim Anbau, Hanf speichert mehr Kohlendioxid, als bei Anbau, Ernte, Verarbeitung und Transport in die Atmosphäre gelangt …) besticht das Material auch durch seine klimatisierende Eigenschaft. Für die verarbeitende Firma Martin Grill aus Altenwörth war die Hanfdämmplatte auch ungewohnt. Das Ergebnis gelang jedoch erstklassig. Jetzt erstrahlt die Fassade mit den typischen Stuck-Ornamenten, Faschen, Schlusssteinen und den markanten Dachgesimsekonsolen wieder in gründerzeitlicher Pracht.

Preis für die Stadterneuerung

Das Objekt erhielt heuer wegen der gelungenen Wiederherstellung den Wiener Stadterneuerungspries. Die Jury würdigt den Entschluss der privaten Eigentümer, das Haus zu sanieren und keinen Neubau zu errichten. Die Vorteile für die Umwelt, für das Stadtbild, aber auch für die Bewohner standen im Vordergrund.

Alle Fotos: © Trimmel Wall Architekten